In den geisteswissenschaftlichen Schwerpunkten wird vor allem auf der postgradualen Ebene der Promotionen geforscht. Einige Promotionsprojekte sind zur Zeit:


Beate Klompmaker: Thomas Huber. Werkverzeichnis und Monographie (Arbeitstitel)

Kunstwissenschaft und Medienphilosophie
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich
Prof. Claudia Blümle (Professorin für Geschichte und Theorie der Form am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin und am Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung)

Die Dissertation ist im Fach Kunstwissenschaft an der Hochschule für Gestaltung ist seit dem Wintersemester 2013/14 zugelassen und ist zweispurig angelegt: Einerseits wird das Werkverzeichnis von erarbeitet. Es bietet erstmalig einen Überblick über das Gesamtwerk von Thomas Huber (über 2500 Werke seit 1980). Zum anderen wird eine Monographie konzipiert und realisiert, in der die wichtigsten Themen, Methoden und Strategien im Werk von Huber thematisiert werden. Die Werkgruppe „Rede in der Schule“, ein Schlüsselwerk Hubers, bildet den roten Faden, an dem übergeordnete Zusammenhänge und Fragestellungen dargestellt werden.

werkverzeichnishuber.de
klompmaker.de
huberville.de


Dirk Pörschmann: Evakuierung des Chaos. Zero zwischen Sprachbild der Reinheit und Bildsprache der Ordnung

Kunstwissenschaft und Medienphilosophie
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich

Es weckt ein Unbehagen, wenn Künstler der 1950er- und 60er-Jahre nach den Reinigungsexzessen der Nationalsozialisten die Metapher der Reinheit für ihre künstlerische Arbeit benutzen. Existierte in den Nachkriegsjahren ein kollektiver blinder Fleck?
Im Mittelpunkt der Dissertation steht die internationale Zero-Bewegung mit ihren Zentren in Düsseldorf, Mailand, Antwerpen, Arnheim, Frankfurt und Bern. Anhand von Kunstwerken, Aktionen und Proklamationen ihrer wichtigsten Protagonisten (u.a. Heinz Mack, Otto Piene, Günther Uecker, Jan Schoonhoven, Yves Klein, Piero Manzoni) werden die Hintergründe geklärt, die das Thema der Reinheit zu einem zentralen Aspekt ihrer Kunst werden ließen. Neben der Untersuchung zahlreicher schriftlicher Quellen von Künstlern und Kunstkritikern werden auch die kulturhistorischen Voraussetzungen und Bedingtheiten der langen fünfziger Jahre thematisiert. Durch die nun vorliegende Analyse der antagonistischen Haltung der Zero-Künstler gegenüber den Vertretern der informellen Kunst entsteht ein variantenreiches Kaleidoskop europäischer Nachkriegskunst.

briefeanfraublog.de

buchhandlung-walther-koenig.de

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Buchcover von „Evakuierung des Chaos. Zero zwischen Sprachbild der Reinheit und Bildsprache der Ordnung“, Foto: Manfred Tischer © The Estate of Manfred Tischer (www.tischer.org) (© Verlag der Buchhandlung Walther König)


Maria Männig: Hans Sedlmayrs Kunstgeschichte. Eine kritische Studie

Kunstwissenschaft und Medienphilosophie
Prof. Dr. Beat Wyss
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich

Moderne und Mittelalter – an diesen beiden Brennpunkten im Schaffen des Kunsthistorikers Hans Sedlmayr orientiert sich diese erste Werkbiografie. Sie widmet sich der Dialektik aus „Verlust der Mitte“, seiner berühmt-berüchtigten Streitschrift gegen die moderne Kunst, und „Die Entstehung der Kathedrale“, Sedlmayrs gewichtigem Beitrag zur Gotik-Forschung. Im Fokus steht der Autor als Kulturkritiker. Aus kulturkritischen Argumentationsmustern lässt sich die paradox erscheinende Verquickung von modernen Ideen mit reaktionärem Gedankengut erklären und zugleich kritisieren. Das Buch macht klar, welchen ideologischen Implikationen die Kunsthistoriografie unterliegt und unterrichtet so über das Gemacht-Sein des Fachs Kunstgeschichte.

maria-maennig.de
artincrisis.hypotheses.org
boehlau-verlag.com

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Buchcover von „Hans Sedlmayrs Kunstgeschichte. Eine kritische Studie“ (© Böhlau Verlag)


Sebastian Baden: Das Image des Terrorismus im Kunstsystem

Kunstwissenschaft und Medienphilosophie
Prof. Dr. Beat Wyss
Prof. Dr. Andreas Böh (Institut für Germanistik: Literatur, Sprache und Medien des KIT – Karlsruher Institut für Technologie)

Sebastian Baden legt in seiner Dissertation „Das Image des Terrorismus im Kunstsystem“ eine Begriffs-, Medien- und Kunstgeschichte zum modernen Terrorismus vor, welche den Bedeutungswandel und die Darstellungsformen von Terrorismus im Verhältnis zum Kunstsystem seit der Französischen Revolution bis zum 11. September 2001 untersucht.

Das Image des Terrorismus konstruiert sich aus einem komplexen Zusammen- wirken von Anschlägen, Bildern, Texten und Kritik. Es bestimmt die Vorstellung, Repräsentation und Imitation politischer und religiös motivierter Gewalt, die Terror als Effekt einsetzt. Die Bild- und Begriffsgeschichte des Terrors reicht vom Kirchenportal bis zum Internetportal. Mit der Medienrevolution der Moderne haben sich auch die Formen des Terrors durch Terrorismus verändert. Die Untersuchung verfolgt diese Entwicklung einer terroristischen Mediasphäre ab der Französischen Revolution über die RAF hin zum sogenannten Islamischen Staat aus kunstwissenschaftlicher Perspektive.

Von den Terroranschlägen des 11. September 2001 behauptete der deutsche Komponist Karlheinz Stockhausen, dass es sich um das „größte Kunstwerk“ handele, das es je gegeben habe. Der Künstler wurde für seine Provokation zu Recht kritisiert, er stand jedoch prominent für eine Reaktion innerhalb des Kunstsystems, die als „Stockhausen-Syndrom“ benannt werden kann. Von Stockhausens kunstkritischem Urteil über 9/11 wird die seit mehr als 200 Jahren virulente Frage nach der revolutionären Avantgarde in der Kunst neu aufgerollt.

Sebastian Baden studierte Kunsterziehung, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Bildende Kunst in Karlsruhe und Bern. Von 2010 bis 2016 war er Forschungsassistent am Lehrstuhl für Kunstwissenschaft und Medientheorie and der HfG Karlsruhe. 2013 wurde er mit dem internationalen AICA Incentive Preis für junge Kunstkritiker ausgezeichnet.

kunstwissenschaft.hfg-karlsruhe.de

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Buchcover von „Das Image des Terrorismus im Kunstsystem“, Foto: Verlag Silke Schreiber


Jacob Birken: Die Wahrheit des Erdbebens. Fernwestliche Weltbilder um 1906 (AT)

Kunstwissenschaft und Medienphilosophie
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich
Prof. Monica Juneja (Universität Heidelberg)

Nachdem Erdbeben und Großbrände im April 1906 große Teile San Franciscos zerstören, wird die korrekte „Interpretation“ der Katastrophe zum gesellschaftspolitischen Streitpunkt. Ist der Ausnahmezustand die Befreiung von Alltag und Hierarchie oder der Zusammenbruch aller Ordnung, die nun mit Waffengewalt geschützt werden muss? Eine Untersuchung katastrophaler „Wahrheiten“ mit besonderem Augenmerk auf die Fotos Arnold Genthes und die unterschiedlichen Funktionen, die sie bis heute als Kunstbild und/oder dokumentarische Aufzeichnung der Katastrophe von 1906 einnehmen.

jacob-birken.de


Seraphine Noemi Meya: Humor, Utopie und Optimismus als Strategien künstlerischen Aktivismus

Kunstwissenschaft und Medienphilosophie
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich

„[D]ie Insurrektion [ist] der verbotene Augenblick, eine unverzeihliche Leugnung der Dialektik – ein verrückter Tanz, der Zauber eines Schamanen an einer ‚unmöglichen Stelle’ im Universum.“ – Hakim Bey

Mit künstlerischen Mitteln reflektieren Künstler-AktivistInnen gesellschaftliche Zusammenhänge und treten aktiv für ihre Veränderung ein. In meiner Dissertation untersuche ich Strategien und Wirkmechanismen verschiedener künstlerisch-aktivistischer Aktionen. Dabei lasse ich die AkteurInnen selbst zu Wort kommen und betrachte das Geschehen im gesellschaftlichen und künstlerischen Kontext.

In Zeiten der Krise und der Angst unterbricht der Humor feste Denkmuster und öffnet den Blick für Neues. Künstlerischer Optimismus inspiriert somit neue, realistische Utopien, die die zeitgenössischen Dystopien unschärfer werden lassen.

Seraphine N. Meya, Theoretikerin und Aktionskünstlerin promoviert an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG) zum Thema „kreativer Aktivismus“. Sie ist Autorin, unterrichtet und realisiert künstlerische und aktivistische Projekte. Sie studierte Kunstwissenschaft, Philosophie, Szenografie und Psychologie in Karlsruhe, Heidelberg, Berlin und Pisa. Themenschwerpunkte: Kunst und Aktivismus, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Postkapitalismus, Entschleunigung.


Ulrike Keuper: Reproduktion als Übersetzung. Eine Metapher und ihre Folgen – vom Salonbericht bis zur frühen Fotokritik

Kunstwissenschaft und Medienphilosophie
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich
Prof. Dr. Walter Grasskamp (Akademie der Bildenden Künste München)

Bevor sich für die Vervielfältigung von Kunstwerken im Druck der Begriff der „Reproduktion“ durchsetzte, dominierte lange Zeit eine metaphorische Wendung: Die Umsetzung von Farbe in Linie betrachtete man als „Übersetzung“.

Besonders im Frankreich der Aufklärung debattierten Kupferstecher, Kunstkritiker und Dichtungstheoretiker, darunter auch Denis Diderot, über die Analogie zur Übersetzung in der Literatur. Mit ihr als Modell ließen sich zentrale Streitfragen zur grafischen Reproduktion von Kunstwerken verhandeln: Welche Freiheiten dürfen sich Kupferstecher herausnehmen? Schaffen sie lediglich Ersatz für das Original – oder ein Werk von eigener Qualität? Welchen Einfluss haben sie auf die Rezeption? Die prägende Rolle der Übersetzungsmetapher beschränkt sich indes nicht auf den französischen Kupferstichdiskurs des 18. Jahrhunderts. Vielmehr wurden zur Mitte des 19. Jahrhunderts auch fotografische Reproduktionen als Übersetzungsmedien diskutiert – mit Folgen für deren urheberrechtlichen Status.

fink.de

aspect-ratio 10x9 Buchcover von „Reproduktion als Übersetzung“

Buchcover von „Reproduktion als Übersetzung“ (© Wilhelm Fink Verlag)