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Somaesthetik. Von der Leinwand des Fleisches

Veranstaltungstyp: 
Seminar
Lehrbeauftragte(r): 
Scheller
Fach: 
Kunstwissenschaft und Medientheorie (bis SS 2016)
Zeit: 
donnerstags, 10–12.15 Uhr
Ort: 
Raum 112 (Großer Seminarraum)

 
Was ist der menschliche Körper? Eine letzte Bastion des Realen im Zeitalter der Simulation? Ein Auslaufmodell, das bald schon durch Prothesen und Computerchips ersetzt werden wird? Oder doch eine natürliche, anthropologische Konstante, die zu Unrecht von konstruktivistischen Theorien als rein kulturell codiert angesehen wird? Wie auch immer wir den menschlichen Körper definieren: In der abendländischen Moderne lassen sich allererst vielfältige Strategien der Ästhetisierung des Körpers feststellen. Im Zuge der Industrialisierung wurden die Kraft und die Leistung des Körpers obsolet, was eine Bild- und Kunstwerdung des Körpers begünstigte, welche insbesondere in den entwickelten Konsumkulturen weit verbreitet ist. Diese Entwicklung verlangt geradezu eine kunstwissenschaftliche Betrachtung. Im Seminar werden wir verschiedene historische Stadien der somatischen Ästhetisierung analysieren und die These einer schrittweisen, wenngleich nicht linear verlaufenden Entkoppelung von Kraft und Bild überprüfen. Dabei widmen wir uns u.a. der Anthropoplastik des 18. Jahrhunderts, der deutschen Turnkunst der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Nacktkultur des späten 19. Jahrhunderts, der Körperästhetik des Nationalsozialismus und der Fitnesskultur sowie dem Bodybuilding des 21. Jahrhunderts. Beginn: 16.10.08