Wie kein anderer Raum erfüllt das Badezimmer verschiedenste Anforderungen – von der reinen Funktion des sich Reinigens bis hin zu einer Erweiterung des Wohnraums sowie der Möglichkeit auf Intimität und persönlichen Freiraum
In Deutschland fand das eigene Bad erst sehr spät Eingang in die Wohnräume und wurde ursprünglich auf seine reine Funktionalität, die Körperhygiene, herunter gebrochen. Deutlich wird das in dem Begriff der „Nasszelle“. Um so wenig Platz wie möglich in einen rein funktionalen Bereich zu investieren, sind Badezimmer in Deutschland im Durchschnitt nur 5,5 qm groß. Hierbei ist es zweitrangig, wie viele Personen in einem Haushalt wohnen. Seit den 60er Jahren werden eine große Anzahl von Bädern nach immer den gleichen Schema geplant. Hinzu kommt der Aspekt, dass in Deutschland viele Kleinbauteile des Badezimmers durch DIN-Normen geregelt werden, welche die Abstände zwischen Waschbecken und WC oder das Gefälle für Abflussleitungen definieren. In den 1986er/1990er Jahren war das „(West-)Deutsche Badezimmer“ ein Betrachtungsobjekt der Sozialwissenschaftler Alphons Silbermann und Michael Brüning. Sie fanden heraus, dass das Badezimmer lange Zeit nicht Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie war, da es zu einer Tabuisierung des Sanitärbereichs im Wohnumfeld kam. Die Studie wies darauf hin, dass ein Badezimmer nicht nur ein Ort der Körperhygiene sein sollte, sondern auch ein Raum, der ästhetischen wie auch Komfortansprüchen gerecht werden sollte. Die Studie von Silbermann und Brüning bildet die Grundlage für die Baderaumgestaltung späterer Generationen, da sie als erste Bedürfnisse und IST-Zustände aufzeigt. Gut 23 Jahre später führte die Sanitärfirma „Ideal Standard“ ebenfalls eine Studie durch, in der sie 19 Personen in vier europäischen Ländern über mehrere Wochen bei ihrer täglichen Badroutine beobachteten. Die Körperbewegungen der Probanden wurden in jedem Badezimmer von zwei speziell angepassten Tiefensensoren präzise und dreidimensional erfasst. Somit konnte sich „Ideal Standard“ ein genaues Bild von der tatsächlichen Nutzung eines Badezimmers machen. Die Ergebnisse sprechen von ungenutzten Badewannen und Bidets und zeigen unlogische Anordnung auf. 40% der Befragten sind mit ihrem Bad unzufrieden. Dies liege aber nicht in erster Linie an der Größe, sondern viel mehr an der Anordnung von Waschbecken und WC und mangelndem Stauraum. Viele sehnen sich nach einem Raum, der besser auf ihre persönlichen Ansprüche zugeschnitten ist.

Grit Werner gestaltete in ihrer Diplomarbeit auf dem Hintergrund dieser Studien ein Badezimmer-Möbel namens „TOGrit“, das vor allem interessant ist für Menschen, die ihr Bad zwar umgestalten möchten, aber keinen großen Umbau planen oder in einer Mietsituation wohnen. Es ist ein Möbel, das sich temporär den Bedürfnissen des jeweiligen Benutzers anpasst, mitwächst oder sich mitreduziert. Durch die Kombination von Holz-Profilleisten mit 3D-gedruckten Verbindungsstücken entsteht eine Adaption der klassischen Stellwand, welche es dem Benutzer ermöglicht, die Grenzen zwischen Bad und Möbel aufzubrechen. Es ist ein System, das die Infrastruktur in der Wand auch vor die Wand in den Wohnbereich überträgt und so mit dem gewöhnlichen Verständnis des Möbels bricht. Da es nicht nur die Funktion z.B. des Waschtischs übernimmt, sondern auch fähig ist, die Ab- und Zuwasserleitungen zu führen, geht es auf bestehende Zustände ein und nutzt diese. Was TOGrit ausmacht: man plant das Möbel gezielt; man schafft es sich bewusst an; es definiert den Raum; man kann verschiedene Hölzer kombinieren; man kann Verbinder auf Bedarf fertigen; man kann die Verbinder in verschiedenen Farben produzieren; es ist veränderbar; es bedingt nicht immer den Raum

Unter Betreuung von:
Albus, Maier-Aichen