Jan Borghoff entwickelt im Zuge seiner Diplomarbeit ein Sitzmöbel für Teestuben in Bangladesch. Die Teehütten auf den Straßen Bangladeschs bestehen meist aus Holzlatten, Bambusstangen und einem Wellblech, um sich vor Niederschlägen zu schützen. Die größte Problematik eines Teestands ist das Sitzmöbel. Typischerweise sitzen in Bangladesch die Menschen auf Bodenmatten. Erst im Zuge der Globalisierung sind Tische und Stühle nach Bangladesch gekommen, jedoch sind diese weiterhin den gehobeneren Gesellschaftsschichten vorbehalten und gelten als Statussymbol. Daher sind europäische Sitzmöbel in Bangladesch in der breiten Bevölkerung rar. Da sich die Teestände zum großen Teil am Straßenrand auf unbefestigten Lehmböden befinden, ist das Sitzen auf dem Boden durch viele starke Niederschläge über das Jahr im Außenbereich ungünstig. Es werden daher häufig einfache Bänke als Sitzgelegenheit genutzt. Da diese Bänke für den Besitzer teuer in der Anschaffung sind, reduziert sich der Bestand meist auf eine Bank pro Stand.

Das Möbel muss zu einem günstigen Herstellungs-Preis möglichst vielen Menschen eine Sitzmöglichkeit bieten und sollte in seiner Größe variabel sein, um den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden. Hierzu gehören auch die Witterungsverhältnisse des Landes, wie Starkregen, extrem hohe Temperaturen, UV-Belastung und hohe Luftfeuchtigkeit. Um die lokale Wirtschaft zu unterstützen, sollten Material und Fertigung im Heimatland gewährleistet sein und die verwendeten natürlichen Rohstoffe nachwachsend und nicht aus Raubschlag stammen. Das Möbel muss reparabel und nachhaltig in der Materialwahl sein, sodass abgenutzte Teile recycelt und ersetzt werden können.

Das Sitzmöbel besteht aus einem Haupttisch und sechs kleinen Tischmodulen. Die parallel laufenden Bambusstangen, mit einem circa acht Zentimeter Durchmesser, verbinden die einzelnen Module miteinander und bilden so die Sitzflächen. Mit einem einfachen Splint werden die Stangen in den Modulen gesichert. Die verbundenen Module begrenzen ebenso den Bereich des Teestands. Die Sitzfläche aus den beiden parallel laufenden Bambusstangen, begünstigt ein anatomisch angenehmes Sitzen, sodass die Sitzhöcker in die bewusst gewählte Lücke der beiden Bambusstangen sich einfügen können. Die Materialeigenschaften von Bambus kombinieren extreme Härte, sowie große Druck- und Zugfestigkeit mit hoher Elastizität und geringem Gewicht. Bambusrohre sind schwer entflammbar, da die äußeren Schichten des Bambus einen hohen Silikatgehalt aufweisen. Diese Eigenschaften lassen auftreffendes Regenwasser abperlen und begünstigen ein schnelles Trocknen der Oberfläche. Im Vergleich zu herkömmlichen Sitzbänken mit horizontalen Sitzflächen kann hier keine Staunässe auftreten. Bambus wird in Bangladesch als Konstruktionsmaterial verwendet und ist so überall im Land verfügbar. Dadurch kann ein Bambusrohr bei Beschädigung schnell ausgetauscht werden. Der Tisch, sowie die kleinen Tischmodule sind aus Plattenmaterial gefertigt. Der finanzielle Rahmen ist überschaubar und variabel, da zwischen verschiedenen Hölzern und deren Exklusivität gewählt werden kann. Die meisten heimischen Hölzer besitzen einen natürlichen Verwitterungsschutz. Hierzu gehört auch das bekannte Teak und Mahagoni Holz. Aufgrund der ökologischen Verträglichkeit und Diskussion über die übermäßige Abholzung von Teak Hölzer und deren Export empfiehlt sich die Verwendung von Neemholz. Dieses besitzt den Vorteil, dass es zu den schnell wachsenden Hölzern gehört und die natürliche Eigenschaft das als Insektizid wirkende Azadirachtin angereichert zu haben. Das Stirnholz wird zusätzlich mit Farbe gegen Verwitterung geschützt, bekommt so einen persönlichen farbigen Akzent und fördert die Wiedererkennung des Teestandes. Jeweils ist das untere Drittel der Module farbig lackiert, um ebenfalls einen zusätzlichen Schutz des Holzes zu gewährleisten. Die oberen zwei Drittel bleiben frei um dort eine individuell gestaltbare Oberfläche zu bieten und so Freiraum kultureller Anpassung und Gestaltung zu ermöglichen. Die handwerklich typische Bemalung von Häusern und Läden, aber auch von Rikshaw ́s, und Lastkraftwägen geht auf die Bedeutung der Einkommensquelle einer ganzen Familie zurück. Meist ist die Farbgebung von leuchtenden, starken Farben geprägt. Die Oberfläche der Tischplatte des Haupttisches kann aus zwei verschieden Varianten gewählt werden. Die basis Ausführung besteht aus einer mosaikartigen Anordnung von Kachelbruchstücken. Diese werden zu einer homogenen Fläche verfugt und schützen so die tragende Holzplatte vor Feuchtigkeit bei der Zubereitung des Tees. Alternativ gibt es die Möglichkeit eines Messingblechs um eine ästhetisch ruhigere Oberfläche zu schaffen. Das Messingblech kann ebenso auf die Tischplatten der kleinen Module übertragen werden. Die Formgebung bezieht sich auf die landestypischen traditionellen Fenster- und Wandbemalungen des indischen Subkontinents. Ebenfalls findet man häufig geometrische Formen wie Rauten, Rechtecke und Sechsecke in den Wandbemalungen und architektonischen Bauweisen Indiens. Der große Tisch hat die Form eines Sechseckes und kann die kleineren, dreieckigen Module in seinem Inneren durch die abnehmbare Tischplatte aufnehmen. Dies spart Lagerfläche und vereinfacht das Sichern für die Nacht. Da der Teestand nur temporär bestehen darf, bietet sich das ineinander Stapeln als eine besonders kompakte Möglichkeit an. Der Aufbau benötigt nur wenige Minuten und kann von einer Person bewältigt werden. Der Haupttisch dient der Zubereitung des Tees. Hier wird das heiße Wasser durch verschiedene Siebe gegossen und auf die einzelnen Gläser verteilt. Der Haupttisch besitzt zwei Ebenen. Die untere Ebene dient der Aufbewahrung der Zutaten und Gerätschaften die für die Zubereitung des Tees notwendig sind. Im zusammen gepacktem Zustand verhindert die zweite Ebene die Verwitterung der kleineren Module, da diese so sicher und trocken aufbewahrt werden können. Ein Basismerkmal meines Projekts ist von Beginn an die ökologische Verträglichkeit und Nachhaltigkeit des Möbels, wie auch die Fertigung und Nutzung. In Kooperation mit einer bengalischen Nichtregierung's Organisation (NGO), wird die Fertigung einer Reihe des Möbels im kommenden Jahr beginnen. Es soll vor allem Menschen ohne Einkommen als einkommensschaffende Maßnahme zu einem eigenständigen Lebensunterhalt verhelfen. Da es als modulares Sitzsystem ausgelegt ist, kann auch zuerst mit einer Standardausführung bestehend aus einem großen Tisch und drei weiteren kleinen Tischmodulen begonnen werden. Bei Bedarf kann die Besitzerin/ der Besitzer seinen Teestand um weitere Module erweitern. Die Fertigung soll in einer angegliederten Schreinerei in Borobillerpar erfolgen und im Besonderen jungen Menschen, die dort ihre Ausbildung absolvieren, einen Schritt in ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Betreuung durch:
M.Minale, K.Wahl