Die Arbeit Preenacting Reenactments ist aus dem Interesse an der vermehrten Nutzung immersiver und partizipativer Formate in darstellender und bildender Kunst entstanden. Die Immersion verspricht den zu Gästen erhobenen ZuschauerInnen einer Performance oder Installation ein Eintauchen in das Kunstwerk, in eine andere Welt. Die Immersion schafft somit Erfahrungsräume und definiert das Verhältnis von Kunst und Rezeption neu. Die distanzlose Erfahrung innerhalb einer Fiktion auf Zeit präsentiert sich als geeignetes Mittel, um Wissen durch künstlich kreierte Erfahrungen zu generieren. Eine auffallend große Rolle spielen immersive Formate auch im Bereich des Militärs: SoldatInnen werden in groß angelegten Simulationen für Auslandseinsätze geschult. Darüber hinaus bildet die deutsche Bundeswehr im Vereinte Nationen Ausbildungszentrum im fränkischen Hammelburg Mitglieder von Hilfsorganisationen sowie JournalistInnen für das korrekte Verhalten in Kriegs- und Krisengebieten aus. Die in diesem Zuge gestellten Situationen gründen auf den Einsatzerfahrungen der deutschen Streitkräfte und entstehen somit aus einer Art kollektiver Regie, die sich aus den Erinnerungen und Erlebnissen der SoldatInnen speist. Das Projekt Preenacting Reenactments untersucht die Wirkmechanismen der Immersion im nicht-künstlerischen Kontext der Bundeswehr. Es fragt nach dem genauen Entstehungskontext der Simulationen. Den Fokus setzt Preenacting Reenactments speziell auf das Training für JournalistInnen, die im Zuge ihrer Ausbildung in Hammelburg häufig zum ersten Mal mit der Bundeswehr und einem nicht-medialen Bild von Krieg in Berührung kommen. Dies verleiht der Frage nach der Macht der Immersion eine besondere Relevanz. Die Gäste der Rauminstallation zu Preenacting Reenactments erleben die Fiktionsfabrik Hammelburg aus Sicht der Künstlerinnen Lea Langenfelder und Sophie Lichtenberg, die in den von ihnen bespielten Räumen die Simulation zitieren.

Das Projekt wurde gefördert durch den Fonds Darstellende Künste, die LBB W-Bank-Stiftung und Theater Performance Kunst RAMPIG.

Betreuung:
Prof. Anja Dorn, Prof. Andreas Müll

Konzept: Sophie Lichtenberg & Lea Langenfelder
Text: Lea Langenfelder
Szenografie: Sophie Lichtenberg
Performance: Tabea Panizzi
Sound: Philippe Mainz
Grafik: Xenia Fastnacht
Fotos: Sebastian Heck & Sophie Lichtenberg