aspect-ratio 10x9 Isabella Münnich, “Sensing Underware” (2019), Video, Audio, interaktive Installation

Isabella Münnich, “Sensing Underware” (2019), Video, Audio, interaktive Installation (© Isabella Münnich)

Die Arbeiten von Isabella Münnich, Vanessa Bosch, Christopher von Frankenberg und Janis Zeckai erweitern den Begriff „kollektiv, kollaborativ, kooperativ“ und zielen darauf ab, eine „techno-ökologische“ Perspektive zu entwickeln und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Mensch und Nicht-Mensch zu erforschen (Welten und Spezies).

Die Studierenden des Seminars „Techno-Ecologies“ von Gastprofessorin Rasa Smite (Frühjahr und Sommer 2019) führten Feldstudien durch, in denen sie mit Wahrnehmung, Zuhören und Visualisieren experimentierten, um die komplexen Zusammenhänge zwischen Technologien und Ökologie, Natur und Infrastruktur sowie menschlichen und nicht-menschlichen Welten aufzudecken.

Ökologie und unser Verhältnis zur Natur spielen heutzutage eine wichtige Rolle in der postmedialen Kunstpraxis, da sie häufig auf Ideen aus den offenen Kulturen zurückgreifen, um Ressourcen zu teilen und soziale Probleme durch partizipative und soziale Mechanismen sowie Themen wie erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit, Biodiversität oder Beziehungen zwischen den Arten anzugehen. Neben den von Felix Guattari vorgeschlagenen drei Ökologien – ökologische, soziale und mentale (subjektive) – wird die Bedeutung der vierten – der „nicht-menschlichen“ Ökologie (Donna Haraway, Eric Kluitenberg usw.) – betont.

Indem sie das Künstlerische mit dem Sozialen und dem Natürlichen, dem Wissenschaftlichen und dem Emotionalen, dem Sinnvollen mit dem Tatsächlichen verbinden, haben die Studierenden immersive Kunstwerke entwickelt, ihre Visionen geteilt und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf die menschliche und nicht-menschliche Kommunikation ausgedehnt.


Kunstwerke

„Sensing Underwater“ ist ein künstlerisches Forschungsprojekt von Isabella Münnich, das sich mit dem fesselnden Verhalten lebender Organismen in der Tiefsee und ihrer Kommunikation durch Licht befasst. Mit Feldstudien in den Seen und Teichen bei Karlsruhe, Experimenten mit Kontaktmikrofonen und Videoaufnahmen unter Wasser will die Künstlerin die Kommunikationsmuster des Unterwasserlebens erforschen und in ein interaktives Sinneserlebnis verwandeln.

Vannessa Bosh bezieht sich auf Donna Harraways Konzept der "nicht-menschlichen Ökologie" und "Verwandtschaft", um mit mehreren Arten zu kommunizieren und zu interagieren. Sie kreiert ihr Kunstwerk "Coral Bank", das sich mit den Themen der Meeresökologie befasst. Als Ausgangspunkt verwendet die Künstlerin ihre Feldstudien in den Aquarien des Naturkundemuseums und in Süßwassergebieten in Karlsruhe. Sie betrachtet die Beziehung zwischen Mikroplastikverschmutzung und invasiven Pflanzen und konzentriert sich auf die Koralle als lebenden Organismus, die aufgrund ihre artübergreifende Natur – weder Pflanze noch Tier – für künstliche Wildnis und Cyborg-Natu steht.

Christopher von Frankenberg kreiert die mehrkanalige immersive Klanginstallation „Reinhafen Soundscape Adventure-Time“ unter Verwendung von Feldaufnahmen gemischt mit generierten Klängen, wobei er die Beziehungen zwischen dem Natürlichen und dem Digitalen untersucht.

Ein weiteres eindringliches Erlebnis schafft Janis Zeckai in seinem 360-Grad-Video „Domain.-esque“. Das Kunstwerk ist eine recherchierende Studie über den Anpassungsprozess innerhalb der Systeme und ihrer sich ständig ändernden Umwelteigenschaften. Panorama-Videoaufnahmen aus engen, geschlossenen Räumen werden durch Tonaufnahmen ergänzt, die auf sinnlichen Erfahrungen aus Kindheitserinnerungen an weite Räume und die Nähe zur Natur verweisen. Mit den Mitteln der Gegenerfahrung will das Kunstwerk die Grenzen zwischen dem Visuellen und dem Hörbaren verwischen und argumentieren, dass es sich nur um ein austauschbares Konstrukt handelt und dass die Beziehung zwischen natürlichen und künstlichen Phänomenen insgesamt neu definiert werden muss.

Die Kunstwerke sind das Ergebnis des Seminars „Techno-Ecologies“ von Rasa Smite, Gastprofessorin an der HfG Karlsruhe. Dr. Smite ist Künstlerin und Forscherin, arbeitet in der Wissenschaft und mit aufstrebenden Technologien und ist Gründungsdirektor des RIXC-Zentrums für neue Medienkultur in Riga, Lettland (rixc.org, smitesmits.com)

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