Es heißt, die Dinge zeigten sich klarer, wenn man sie aus der Rückschau betrachtet. So wird mitunter erst ein zukünftiger Blick zurück in die Vergangenheit deutlich fassen können, wie es um unsere Gegenwart steht. Gelegenheit einen solchen Blick auf das Karlsruhe unserer Tage zu werfen, bietet Marc Teuschers Electric Light: Elektrisches Licht in einer kleinen Stadt, ein Science-Fiction-Crime-Trashfilm, ein Anti-Tatort, den die öffentlich-rechtlichen Sender nie produziert hätten.

Teuscher (Jahrgang 1979) ist in Karlsruhe bereits mit dem viermonatigen Kunstprojekt LACUNA in Erscheinung getreten, das 2007 am Alten Flugplatz stattfand. KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen fanden dort unter dem Motto „Wie wollen wir leben?“ zusammen, um alternative Gesellschaftsformen zu diskutieren und zu erproben. Electric Light ist nun sein erster Langspielfilm. Realisiert wurde er, wie es auf IMDb sehr schön heißt, mit der „Unterstützung eines großen Netzwerks von KünstlerInnen, DesignerInnen, KomikerInnen, mit FreundInnen, Familie und Gläubigen.“

Es handelt sich bei dem Film um das Diplomprojekt Marc Teuschers, welches jedoch eine recht lange Zeit nie fertiggestellt und präsentiert wurde. Zwar gab es eine Diplomfassung, aber Teuscher hatte nach seinem Diplom noch einige Szenen nachgedreht und das 16mm Filmmaterial nochmal in Full HD digitalisiert.

Der Film dreht sich um den abgehalfterten Inspektor Norman Bauer (Ygal Gleim), dem wir dabei zusehen, wie er sich durch eine verlorene Welt schleppt. In dieser ist alles privatisiert, auch die Exekutive, weshalb sich Norman um Jobs bemühen muss. In einer grandiosen Szene steht er in der Agentur für Arbeit in der Brauerstraße, die im Film nicht Jobcenter, sondern noch dämlicher A Corp. heißt, und tippt sich auf einem interaktiven Display durch das Angebot. Nach allen Abzügen – Gebühr für die Jobvermittlung, Krankenversicherung (Basis Tarif), Rentenversicherung – bleiben ihm noch zehn Prozent seines Honorars. Bei gelöstem Fall wohlgemerkt. Lukrativeren Einsätzen in Syrien, Afghanistan und im Irak (Special Offer!) verweigert er sich. Teuscher findet in dieser Szene ein präzises Bild für die Absurdität, die alltäglich unzählige Menschen hinter der postmodernen Fassade der Agentur durchleben müssen.

Zum ausführlichen Artikel, geschrieben von Ulrich Steinberg, Studierender an der HfG:
https://druckschrift-ka.de/trash-zone-karlsruhe/

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