aspect-ratio 10x9 Präsentation des Künstlers Ali Gharibs im Rahmen des Forschungsseminars „Critical Zones“ im November 2019

Präsentation des Künstlers Ali Gharibs im Rahmen des Forschungsseminars „Critical Zones“ im November 2019, Foto: Daniel Irrgang

Unter Anleitung Bruno Latours und in Zusammenarbeit mit Martin Guinard-Terrin (Kurator), Bettina Korintenberg (Kuratorin, ZKM Karlsruhe) und Daniel Irrgang (Medienwissenschaftler, Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe) arbeiteten die TeilnehmerInnen des Forschungsseminars „Critical Zones“ sowohl konzeptionell als auch mit konkreten Beiträgen an der Vorbereitung der gleichnamigen Ausstellung am ZKM. Der Begriff „Critical Zone“ ist aus den Geowissenschaften übernommen und bezeichnet dort die biochemische, fragile Schicht der Erde, ihre Oberfläche, auf der das Leben entsteht. Von Bruno Latour wird der Begriff erweitert zu einem kritischen, teilnehmenden Verhältnis zu unserer Lebenswelt, deren bedrohter Zustand in der nun vom Menschen geprägten Erdgeschichte ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht hat. Als „Neues Klimaregime“ hat Latour diese weltweite, alle Lebewesen auf dem Planeten berührende Situation beschrieben, die sich nicht nur auf ökologische Krisen beschränkt, sondern Fragen der Politik und Kulturgeschichte genauso berührt wie ethische und erkenntnistheoretische Perspektivenwechsel.

Die abschließende Woche des Forschungsseminars nahm sich den Projekten der TeilnehmerInnen an. Sie reichen von Beiträgen für den Ausstellungskatalog, über Workshops und Performances, bis hin zu materiellen Arbeiten, die in der Ausstellung gezeigt werden können. Neben eines einführenden und auf die vergangenen Sitzungen blickenden Vortrags von Bruno Latour eröffnete die Woche eine Präsentation Daniel Fetzners, Professor für künstlerische Forschung an der Hochschule Offenburg und Teilnehmer des Forschungsseminars. Die Ausstellung „Abschied vom Außen. Eine Suchbewegung nach dem Terrestrischen“, initiiert von Fetzner in Zusammenarbeit mit Martin Dornberg, ebenfalls Teilnehmer des Seminars, fand vom 13. September. bis 27. Oktober 2019 im Kunstverein Freiburg statt. Mit ihrem forschenden, performativen und partizipativen Vektor war sie stark beeinflusst von den im Forschungsseminar entwickelten Überlegungen. Als „das Terrestrische“ beschreibt Bruno Latour jene vorläufig noch imaginäre Welt, in der ein Überleben der Biosphäre – der auch der Mensch, trotz all seiner technologischen Entwicklungen, unauflösbar angehört – möglich sein könnte.

Neben Beiträgen von Mitarbeiterinnen der Öffentlichkeitsarbeit und der Museumskommunikation des ZKM, dank derer sich die Integration der Seminararbeiten in die Ausstellung diskutieren ließen, bildete ein weiterer Höhepunkt der Vortrag Joseph Koerners. Der Professor für Kunst- und Architekturgeschichte an der Harvard University entwickelt einen Bereich der Ausstellung am ZKM und gab per Videoschaltung einen Einblick in diesen laufenden Prozess. Der von ihm entwickelte Bereich wird das Naturbild der romantischen Epoche in Spannung setzen mit jener künstlichen Trennung von Natur und Kultur, die spätestens seit dem 20. Jahrhundert ihre destruktiven Wirkungen entfaltet.

An dem internationalen Forschungsseminar, welches über fast zwei Jahre lief und sich in sechs Blockseminarwochen aufteilte, nahmen Studierende, Postgraduierte und weitere Forschende aus den Künsten, der Kunst-, Kultur- und Medienwissenschaft, der Philosophie sowie aus der kuratorischen Praxis teil. Ein ausführliches Interview zu den Fragenstellungen von Forschungsseminar und Ausstellungsprojekt hat im Mai 2018 Yohji Suzuki, Teilnehmer des Seminars, in einem Interview mit Bruno Latour erörtert. Es ist in englischer Sprache auf der Website der Tokyo University of the Arts erschienen. Weitere Informationen zu der im Mai 2020 eröffnenden Ausstellung am ZKM finden sich hier.

Die Projektprofessur Bruno Latours an der HfG Karlsruhe wurde durch die laufende Kooperation der Hochschule mit dem ZKM ermöglicht. Seit 2002 hat Peter Weibel, Direktor des ZKM, mit Bruno Latour drei große Handlungs- und Denkräume für den Museumskontext entwickelt, „Iconoclash“, „Things Going Public“ und „Reset Modernity“. „Critical Zones“ wird diese Zusammenarbeit fortführen und einen ästhetisch-kritischen Zugang zu den komplexen Problemstellungen des „Neuen Klimaregimes“ anbieten.

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