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© Armin Linke

Seit Januar 2018 entwickelt der renommierte französische Philosoph und Soziologe als Gastprofessor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe experimentell eine imaginäre Kartografie, vermittels derer eine Orientierung gelingen mag in jenen zerrissenen Verhältnissen in Gesellschaft, Politik und Ökologie, die er als Neues Klimaregime bezeichnet hat. Klima wird in diesem erweiterten Sinne allgemein verstanden als die Beziehungen der Menschen zu ihren materiellen Lebensbedingungen.
In mehreren Blockseminaren bereit Latour zusammen mit Studierenden und Postgraduierten der HfG Karlsruhe aus Theorie, Gestaltung und den Künsten sowie Forscherinnen und Forschern, Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen Teilen der Welt konzeptionell eine Ausstellung vor, die am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe zu sehen sein wird.
Der Begriff „Critical Zone“ ist aus den Geowissenschaften übernommen und bezeichnet dort die biochemische, mitunter fragile Schicht der Erde, ihre Oberfläche, auf der das Leben entsteht. Von Prof. Latour wird der Begriff erweitert zu einem kritischen, teilnehmenden Verhältnis zu unserer Lebenswelt, deren bedrohter Zustand in der nun vom Menschen geprägten Erdgeschichte ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht hat. Als „New Climate Regime“ hat Prof. Latour unsere aktuelle, weltweite Situation beschrieben, die sich nicht nur auf ökologische Krisen beschränkt, sondern Fragen der Politik und Kulturgeschichte genauso berührt wie erkenntnistheoretische Perspektivenwechsel. „Alles muss aufs Neue kartografiert werden“, fordert Bruno Latour in seinem unlängst erschienenen Terrestrischen Manifest.
Zu Beginn des Jahres fand unter anderem eine winterliche Exkursion zum Observatoire Hydro-Géochimique de l’Environnement der Universität Straßburg im Strengbach-Tal, Frankreich statt. Derzeit halten die namhaften Wissenschaftler und KünstlerInnen Anuradha Mathur & Dilip J Dacunha, Uriel Orlow, Emanuele Coccia und Stéphane Verlet-Bottéro auf Einladung von Bruno Latour Vorlesungen an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe ab.

Das Projekt ist eine Kooperation mit dem ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Es wird koordiniert von Bruno Latour, Daniel Irrgang (HfG Karlsruhe), Martin Guinard-Terrin (freier Kurator) und Bettina Korintenberg (kuratorische Abteilung des ZKM).

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