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Memristik: Zur Technologie des Posthumanen?

Rudolf Kaehr

Keynote – Freitag, 16. Juli 2010, 18:15 Uhr
 
Portrait KaehrDie Theorien des Trans- und Posthumanismus erweisen sich als verstrickt in die Konditionen des Humanen, wie sie durch die westliche Schriftkultur vorgegeben sind.

Der Transhumanismus ist gezeichnet dadurch, dass er die Technologie des Humanisms auf sich selbst anwenden will. Eine solche Strategie verlängert das Humane wie auch das Unhumane sowohl in der Zeit wie im Raum. Das mögliche Paradox einer Applikation des Humanen auf sich selbst wird jedoch nicht angenommen, dazu fehlen die paradigmatischen Voraussetzungen, sondern es wird entparadoxiert durch eine Verschiebung im Raum und eine Vertiefung in der Zeit.
Dies führt zu ungeahnten Steigerungen des Humanen, öffnet jedoch keinen Spielraum, diesen zu verlassen. Die Ziele des Transhumanismus, eine Überschreitung zu einem Posthumanismus zu kreieren, bleiben kläglich auf der Strecke.

Der Mensch ist im Rahmen des Humanen als sterblich gekennzeichnet.
Das Ziel des Transhumanismus ist es naheliegenderweise einen Zustand im Posthumanen zu finden, der diese Bestimmung übersteigt und so die Nicht-sterblichkeit bzw. die Unsterblichkeit anvisiert. Paradox ist diese Dichotomie von Leben und Sterben des Menschen insofern, als es weder dem Humanismus, der seine Kraft aus der Vergangenheit schöpft noch dem Transhumanismus, der sich seiner Zukunft sicher wähnt, gelungen ist zu bestimmen, was Leben und damit Sterben für den Menschen überhaupt bedeuten.

Im Vortrag sollen die klassischen Topiken im post-humanen Denken thematisiert werden – Denken, Ethik, Technik, Ästhetik. Außerdem werden Polykategoriale Methoden der Formalisierung und Realisationen in der sich entwickelnden Memristik (Theorie memristiver Systeme, Memristor) skizziert. Es wird postuliert, dass die Memristik tendenziell Methoden und Techniken zur Verfügung stellt, die es ermöglichen, das Paradigma von Humanismus und Posthumanismus hinter sich zu lassen.
 
 
Zur Person: Dr. Rudolf Kaehr wurde 1942 in der Schweiz geboren, studierte in Zürich und an der Freien Universität Berlin Psychologie, Philosophie, Mathematik, Linguistik sowie mathematische Logik in Münster. Er promovierte bei dem Philosophen und Grundlagenforscher der Kybernetik, Prof. Dr. Gotthard Günther (Biological Computer Laboratory, Urbana, USA), in Hamburg mit der Arbeit “Materialien zur Formalisierung der dialektischen Logik und der Morphogrammatik 1973-75”, (summa cum laude). Von 1986-1990 leitete er das Forschungs-Institut für theoretische Biowissenschaften an der privaten Universität Witten/Herdecke. Er hatte Lehraufträge an verschiedenen in- und ausländischen Universitäten sowie eine Gastprofessur für Philosophie an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Frankfurt (Städelschule) inne. Zur Zeit lebt und arbeitet er in Glasgow / UK.