WAS WIRD DENKEN HEISSEN?
Das menschliche Denken – und mehr noch die menschliche Psyche – sehen sich heute nicht nur gewaltigen Herausforderungen gegenüber, sie sind selbst in ihrer Existenz herausgefordert. Die poststrukturalistische, psychoanalytische und neurowissenschaftliche Dezentrierung und Ironisierung des Subjekts, die Kybernetisierung der Gesellschaft durch quasi-maschinelle Funktionsroutinen, die Dominanz des digitalen Codes durch die Umstellung vom Leitmedium Buch auf das Leitmedium Computer sowie nicht zuletzt die sich anbahnende Cyborgisierung des Menschen durch Bio-, Nano-, Neurotechnologie und maschinelle Prothetik lassen es gerechtfertigt erscheinen, von einem anbrechenden posthumanen Zeitalter zu sprechen. Angesichts dieser Lage scheint es geboten, die Frage Martin Heideggers „Was heißt Denken?“ aus seiner berühmten Vorlesung von 1951/52 auf zeitgenössischem Niveau erneut zu stellen. Sie ins Futur zu setzten heißt, nicht mehr in der Heideggerschen Rückbesinnung auf den Ursprung des Denkens Rettung zu suchen, sondern nach dessen künftigen, womöglich radikal transformierten Gestalten Ausschau zu halten. Die vom HfG Forschungsinstitut, unter der Leitung von Dr. Marc Jongen, initiierte Tagung verspricht ein philosophisches Kolloquium über die Grenzen der Theoriekulturen des Poststrukturalismus, der Psychoanalyse, der Kybernetik, der System- und Organisationstheorie sowie der Neurophilosophie hinweg.
Programm:
Freitag, 16. Juli 2010, 18 bis ca.20 Uhr
18 Uhr - Marc Jongen: Begrüßung und Einführung in das Tagungsthema
18.15 Uhr - Rudolf Kaehr: Memristik – Zur Technologie des Posthumanen? (Keynote Vortrag)
Samstag, 17. Juli 2010
Sektion I: Das Denken der Zukunft – zwischen Operieren und Imaginieren
10:00 Uhr - Martin Kurthen: Kognitive Strukturen der Zukunft
11:00 Uhr - Annette Bitsch: Lost in Operations. Heideggers und Lacans Konzeptionen des Denkens im Kontext der Kybernetik
12:00 Uhr - Marc Jongen: Prolegomena zu einer künftigen imaginativen Epistemik, die als Meta-Anthropotechnik wird auftreten können
Sektion II: Zur Kritik des posthumanen Subjekts
14:30 Uhr - Stefan Herbrechter: Posthumanismus – Subjekt – Text
15:30 Uhr - Luca Di Blasi: Der letzte Übermensch
17:00 Uhr - Giovanni Leghissa: Cyborgisierung des Individuums – Verfirmung der Gesellschaft. Zur Kritik der neoliberalen Organisationstheorie
Sonntag, 18. Juli 2010
Sektion III: „In denkender Leere“ – Rechnen mit dem Nichts
10:00 Uhr: Cai Werntgen: „Ein Fenster entfernt“ – Skizzen für eine Theorie der Null-Subjektivität
11:00 Uhr: Leo Maier: Visuelle Kalküle
12: Uhr: Rudolf Kaehr: Kenogrammatik – Kalküle jenseits phonologischer und visueller Notationen
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WAS WIRD DENKEN HEISSEN? - KOGNITION UND PSYCHE IM POSTHUMANEN ZEITALTER
Zeit: Freitag, 16. Juli bis Sonntag, 18. Juli 2010
Ort: Vortragssaal, ZKM, Lorenzstr. 19, 76135 Karlsruhe
Eintritt frei
