KUNST FÜR SIEGER
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Termin: 19. Februar bis 13. Juni 2010
Eröffnung: Donnerstag, 18. Februar, 19.30 Uhr
Mit Ansprachen von Peter Sloterdijk und Wolfgang Ullrich
Ort: Deutsches Historische Museum Berlin, Unter den Linden 2, 10117 Berlin
Internet: www.dhm.de;
Links: SWR2 Forum
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Das Deutsche Historische Museum in Berlin eröffnet am 18. Februar die Ausstellung „Macht zeigen – Kunst als Herrschaftsstrategie“. Die Ausstellung wurde konzipiert und kuratiert von Prof. Dr. Wolfgang Ullrich und Studierenden der HfG Karlsruhe. Dargestellt wird in „Macht zeigen“, dass und wie sich Unternehmer, Spitzenmanager und Politiker mit Kunstwerken fotografieren lassen, um Macht zu signalisieren, zu legitimieren oder zu steigern. Neben zahlreichen Fotografien werden auch etliche originale Werke zu sehen sein, die bei der Inszenierung von Macht eine Rolle spielen und spielten. Ferner werden eigens für die Ausstellung erstellte Kurzfilme Einblick in die Präsentation von Kunst in Unternehmen geben. Interviews mit Schlüsselfiguren des Kunstbetriebs bieten zusätzlich wichtige Hintergrundinformationen.
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Wolfgang Ullrich im Gespräch mit Klaus Heid über die Ausstellung „Macht zeigen – Kunst als Herrschaftsstrategie“:
„WAS AN KUNST HEUTE AUF DEN MARKT GELANGT, IST FÜR DIE SIEGER DER GESELLSCHAFT GEMACHT.“
Heid: Prof. Ullrich, vor zehn Jahren erschien Ihr Buch „Mit dem Rücken zur Kunst: Die neuen Statussymbole der Macht“. Ist die Ausstellung „Macht zeigen – Kunst als Herrschaftsstrategie“ eine Fortschreibung Ihrer damaligen Untersuchung und zeigen sich neue Tendenzen in der Allianz zwischen Kunst und Macht?
Ullrich: Ja, die Vokabel ‚Fortschreibung’ trifft es gut! Einerseits lässt sich noch dasselbe diagnostizieren wie vor zehn Jahren, nämlich dass bei einem erstaunlich hohen Prozentsatz der Repräsentanten der Macht moderne Kunst das beliebteste Accessoire ist. Es hat also keinen Wechsel hinsichtlich der Statussymbole gegeben: Wer sich als modern, weltoffen, willensstark und gebildet präsentieren und für wichtige Funktionen als geeignet erscheinen will, präsentiert sich nach wie vor am liebsten zusammen mit einem grellen, oft gestisch gemalten abstrakten Bild. Andererseits sind aber auch Veränderungen zu beobachten. So hat die bildende Kunst in den letzten zehn Jahren insgesamt einen enormen Boom erlebt. Es wurde selbst in Kreisen, die sich nie für Malerei oder Installationen interessiert haben, auf einmal schick, Kunst zu kaufen – und sich am liebsten sogar gleich als Sammler darzustellen. Kunst ist nicht zuletzt zu einer Sache des Lifestyles geworden. Das heißt: Kunst ist noch verbreiteter und noch selbstverständlicher als Accessoire denn in den 1990er Jahren. Gerade spröde, schwer zugängliche, rätselhafte Malerei ist so beliebt, denn wer sich damit umgibt, kann signalisieren, besonders cool und locker drauf zu sein. Das meiste, was an Kunst heute auf den Markt gelangt, ist also für die Sieger der Gesellschaft gemacht. Sie können sich damit schmücken und adeln. Insofern trägt die Kunst auch zu einem neoaristokratischen Bewusstsein der Geld-, Macht- und Aufmerksamkeitseliten bei.
Heid: Wie kam es zu der Kooperation mit dem Deutsche Historischen Museum in Berlin?
Ullrich: Das Deutsche Historische Museum war auf mein von Ihnen angesprochenes Buch aufmerksam geworden – und schlug mir vor, dazu eine Ausstellung zu machen. Drei Gründe bewogen mich, das Angebot anzunehmen. Zum einen reizte es mich, mir das Thema nach zehn Jahren wieder vorzunehmen. Zum anderen war es eine Herausforderung für mich, das Thema eines Buches in eine andere Form zu bringen. Eine Ausstellung folgt ja ganz anderen Regeln als ein Text. Zum dritten aber stellte ich es mir sehr spannend und anregend vor, das Thema für die Ausstellung zusammen mit Studierenden zu erarbeiten. Wir machten also im Vorfeld ein Seminar, in dem wir mögliche Sujets der Ausstellung sammelten und gemeinsam diskutierten. Auf diese Weise kam einiges zusammen, auf das ich alleine nicht gekommen wäre. Und wir konnten es uns leisten, in einem Ausmaß ins Detail zu gehen, das unmöglich wäre, wenn alles ein einzelner zusammenzustellen hätte.
Heid: Die HfG ist bekannt für ihr praxisbezogenes Studium, Sie haben die Ausstellung gemeinsam mit Studierenden aus dem Fachbereich Kunstwissenschaft und Medientheorie, aber auch mit Studierenden anderer Fachbereiche vorbereitet. Wie groß ist das Team und wie können wir uns die Zusammenarbeit zwischen einem Theorie- und einem der Praxisstudiengänge an der HfG konkret vorstellen?
Ullrich: Letztlich ist ein harter Kern von dreizehn Studierenden übrig geblieben. Die sind im Hauptfach alle Kunstwissenschaftler/innen, belegen im Nebenfach aber überwiegend Ausstellungsdesign und kuratorische Praxis. Insofern haben sie eine hohe Affinität zur gesamten Museums- und Ausstellungskultur und oft auch schon praktische Erfahrung. Ich staunte immer wieder, mit wie viel Engagement und Kreativität sie nicht nur Material recherchierten, sondern sich auch Formen der Präsentation überlegten. Auf diese Weise wird es eine ungewöhnlich abwechslungsreiche Ausstellung. Für einzelne Aufgaben haben wir zusätzlich und gezielt Studierende der Praxisfächer angesprochen. So ging es etwa darum, Filme in Räumen der Macht zu drehen, um das Zusammenspiel von Kunst und Architektur zu studieren. Auf diese Weise sind etwa im Bundeskanzleramt in Berlin oder in der Frankfurter Niederlassung der KfW-Bank sehr schöne Filme entstanden, die ebenfalls Teil der Ausstellung sind. Die oft beschworene Synergie von Theorie und Praxis hat sich also wirklich perfekt eingestellt!
Heid: Die Ausstellung gibt Einblick in die Präsentation von und mit Kunst in Politik und Wirtschaft. Gibt es einen Unterschied zwischen Politikern, Managern und Unternehmern im Umgang mit Kunst?
Ullrich: Zwar können sich Manager und vor allem Unternehmer mehr trauen, weil sie nicht vom Volk gewählt werden, doch bemerkt man, dass vielleicht gerade deshalb zumindest einige Politiker auch sehr viel bewusster überlegen, wie sie ihren Spielraum nutzen und sich inszenieren. Gerhard Schröder etwa fiel durch etliche recht provokante Gesten auf – denken Sie nur daran, dass er ein Bild von Georg Baselitz hinter seinen Schreibtisch hängte, auf dem man einen zerrupften Adlerflügel sieht, der gerade abzustürzen scheint. Einen so ironischen Umgang mit einem Hoheitssymbol des Staates muss man sich erst einmal trauen. Mutig zeigt sich oft auch Guido Westerwelle. Er engagiert sich meist für jüngere Künstler und hat eine Vorliebe für leicht unheimliche Sujets. Gerade das aber macht ihn interessant, lässt ihn als jemand erscheinen, der mehr als bloß smart ist. Während wir also Politikern wie Schröder oder Westerwelle jeweils sogar eine eigene Abteilung in der Ausstellung widmen, ist uns kein einzelner Manager oder Unternehmer als so markant aufgefallen, dass er monografisch gewürdigt werden müsste. Interessant ist aber, wie Unternehmen oft Kunst in ihr Corporate Design einbinden. Sie achten sehr genau, was zu ihrem Image passt und was nicht. Doch dann repräsentiert sich eben weniger der einzelne Manager als das Unternehmen im Ganzen durch Kunst.
Heid: Welche Schlussfolgerungen können junge Künstlerinnen und Künstler daraus ziehen, wie Mächtige Kunst benutzen?
Ullrich: Wir zeigen in der Ausstellung auch etliche Künstlerpositionen, also Arbeiten von Künstlern, die es selbst wieder zum Thema machen, wie begehrt sie und ihres gleichen als ‚Spender’ von Statussymbolen sind. In ihren Arbeiten bemühen sich diese Künstler/innen jeweils um eine Form der Selbstbehauptung. Besonders schön ist etwa die Strategie des Künstlerpaares Clegg & Guttmann. Sie interessieren sich nicht nur dafür, wie Macht auf Bildern dargestellt, sondern auch dafür, wie sie konstituiert wird. Ihrer Arbeit liegt die Beobachtung zugrunde, dass sich Gesten der Macht über Jahrhunderte hinweg kaum verändert haben. In ihren Fotografien interpretieren die Künstler traditionelle Porträtstile neu, machen aber auch das klassische Auftragsverhältnis zwischen ihnen und den Porträtierten zum Thema. So geben sie vor, wie die Porträtierten sich kleiden und welche Gesten sie ausführen sollen. Sie entscheiden auch über die Komposition des endgültigen Bildes sowie darüber, ob und wie es öffentlich gezeigt wird. Auf diese Weise demonstrieren die Künstler, welch hohen Rang Kunst in der heutigen Gesellschaft besitzt: Wohl keiner anderen Instanz würden sich Mächtige nämlich so unterwerfen.
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Prof. Dr. Wolfgang Ullrich ist Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Klaus Heid ist Pressereferent der HfG.
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MACHT ZEIGEN
Termin:
19. Februar bis 13. Juni 2010
Veranstalter:
Stiftung Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2 | 10117 Berlin
Internet: www.dhm.de
Links: SWR2 Forum
Konzeption und Kurator:
Wolfgang Ullrich, Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der HfG Karlsruhe
Mitarbeit:
Die Studierenden der HfG Karlsruhe
Henning Arnecke, Katharina Bedenbender
Anna Bejar, Anne Breucha, Alessandro Gocht
Dieu-Thanh Hoang, Betina Hurtic, Christina Irrgang
Paul Kenig, Julia Kleinbeck, Léa Kuhn
Frank Padberg, Judith Rottenburg
