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23.02.2012
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Der medialisierte Mensch

Prof. Dr. Bernhard Pörksen am 06. Februar in der Vortragsreihe DAS MEDIALE DENKEN zu Gast

 
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Termin 06. Februar 2012, 17:00 Uhr:
Prof. Dr. Bernhard Pörksen (Tübingen)
Der medialisierte Mensch. Realitätsinszenierung in Politik und Journalismus
 
Was passiert, wenn man in dem Bewusstsein leben muss, dass Medien allgegenwärtig geworden sind? Wie verhält man sich, wenn einem das eigene Image – u. U. millionenfach gespiegelt – wieder entgegen tritt, wenn jede Nuance des eigenen Handelns durch Umfragen kontrolliert, wenn jede Fehlleistung durch Fernsehkameras oder Amateurvideos dokumentiert werden kann? Der Vortrag zeigt, wie und auf welche Weise Journalisten Medienwirklichkeit konstruieren und prominente Politiker versuchen, auf öffentlichen Druck zu reagieren und ihr Image zu kontrollieren.  
 
 
Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Jg. 1969, war sechs Jahre lang als Professor für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg tätig und ist heute Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Er analysiert in seinen Forschungsarbeiten die Inszenierungsstile in Politik und Medien und kommentiert in Zeitungskolumen, in Radio- und Fernsehbeiträgen aktuelle Debatten. Zu seinen zentralen Forschungsschwerpunkten gehören: Medienskandale und Medienethik, Medienwandel und die Veränderung von Kompetenz- und Berufsprofilen. Im Jahre 2008 wurde Bernhard Pörksen zum „Professor des Jahres“ gewählt und für seine Lehrtätigkeit ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihm (gem. mit Wolfgang Krischke): Die Casting-Gesellschaft: Die Sucht nach Aufmerksamkeit und das Tribunal der Medien, Köln (Halem) 2010.
 
 
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Termin 23. Januar 2012, 17:00 Uhr:
Frank Schirrmacher (Herausgeber FAZ)
Payback - Warum sind wir im Informationszeitalter gezwungen zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie gewinnen wir die Kontrolle über unser Denken zurück?
 
Portrait Frank SchirrmacherWas wollte ich gerade tun? Wieso haben die Dinge kein Ende mehr? Was geschieht mit meinem Gehirn? Fast jeder kennt die neue Vergesslichkeit und die fast pathologische Zunahme von Konzentrationsstörungen. Dahinter steckt sehr viel mehr als nur Überforderung. Wir wissen mehr als je zuvor und fürchten doch ständig, das Wichtigste zu verpassen. Wir rufen unsere ganze Lebensbahn immer stärker wie Informationen ab und zerstören so unsere Fähigkeit, mit Unerwartetem umzugehen. Die Frage lautet, ob wir bereits begonnen haben, uns selbst wie Computer zu behandeln, und ob wir damit Gefahr laufen, den Menschen in mathematische Formeln zu verwandeln. Nicht die Technologien sind Schuld, sondern die Tatsache, dass immer häufiger nur noch das im Menschen gefordert und gefördert wird, was mit den Rechnern kompatibel ist. Wir können zurückfordern, was uns genommen wird, wenn wir die Stärken des Menschen neu bestimmen. 
 
Dr. Frank Schirrmacher, geb., 1959, studierte Germanistik, Anglistik, Literatur und Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg und an der Universität Cambridge. 1984 erhielt er eine Hospitanz bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und konnte sich schon im Juli 1985 zur Redaktion des FAZ-Feuilletons zählen. 1987 wurde er mit der Dissertation „Schrift als Tradition - die Dekonstruktion des literarischen Kanons bei Kafka und Harold Bloom“ an der Universität Siegen zum Dr. phil. promoviert. 1989 wurde er Leiter der Redaktion „Literatur und literarisches Leben“ und Nachfolger von Marcel Reich-Ranicki; 1994 Nachfolger von Joachim Fest als einer der fünf Herausgeber, zuständig für das Feuilleton. Die amerikanische Zeitschrift Newsweek rühmte Schirrmacher als einen der führenden Intellektuellen. Sein Buch „Payback“ (2009) wurde – wie schon „Das Methusalem-Komplott“ (204) - ein Bestseller.
 
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Termin 09. Januar 2012, 17:00 Uhr:
Manfred Schneider (Bochum)
Der Transparenz-Traum. Zum Selbstzerwürfnis der Moderne
 
Der Transparenz-Traum wird an einer Reihe von philosophischen Schlüsseltexten u.a. von Descartes und Rousseau sowie einigen literarischen Anekdoten von Cervantes bis Paul Scheerbart erzählt und analysiert. Den von Descartes in den Meditationes entworfenen Transparenz-Traum begleitet bis in unserer Tage hinein ein Transparenz-Albtraum. Der Wunsch, alles zu sehen, zeigt seine Kehrseite in der Angst, völlig durchschaut zu werden. Diese Zwillingschaft von Traum und Albtraum  deutet das Selbstzerwürfnis bereits an. Seinen vollen Ausdruck erhält es aber in der der Moderne, weil seit Descartes das Verlangen nach völliger Transparenz aller mentalen Operationen zugleich vom Wunsch nach Wissen und vom Wunsch nach Medienlosigkeit getragen ist. Da aber weder Erkenntnis noch Wissen in völliger Reinheit, Ursprünglichkeit oder gar Medienlosigkeit zu haben sind, kehrt dieses Zerwürfnis mit jedem neuen technischen Medium und seinen Versprechen zurück. Heute gibt die Neurowissenschaft mit den Bildern der funktionellen Magnetresonanztomographie anscheinend den Blick in den reinen Ursprung der Gedanken frei. Wieder einmal glaubt der alte Transparenz-Traum, am Ziel zu sein und die Akten seiner Zerwürfnisse schließen zu können.
 
Prof. Dr. Manfred Schneider, geb 1944, studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie in Freiburg im Breisgau. 1981 wurde er auf die Professur für "Neuere deutsche Literaturwissenschaft" an die Universität GH-Essen berufen, seit 1999 ist er Professor für "Neugermanistik, Ästhetik und Medien" an der Ruhr-Universität Bochum. Zuletzt veröffentlichte er das viel beachtete Werk "Das Attentat. Kritik der paranoischen Vernunft" (Matthes & Seitz Berlin 2010)
 
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Termin 21. November 2011, 17:00 Uhr:
Ariadne von Schirach
Pas de Deux – Von der Würde der Distanz
 
Ausgehend von der Logik des pornographischen Blickes wird nach den Folgen einer zunehmend bildvermittelten Wirklichkeit gefragt – der so genannte Iconic Turn wird zum Terror der Sichtbarkeit. Dieser führt dazu, das eigene Leben nach den Gesetzen der Darstellbarkeit auszurichten und sich in diesem Prozess zugleich zu nahe zu treten – vom Oversharing auf Facebook hin zur Ästhetik des casual, die dazu dient, Privates und Berufliches immer mehr zu vermischen und das allzeit ans Licht gezerrte Subjekt in einer Art Dauerperformance der eigenen Leistungsbereitschaft zu fixieren. Hier geht es um die Verteidigung einer notwendigen Distanz zu sich selbst und der nur dadurch denkbaren Möglichkeit einer lebendigen Alterität, aus der alleine das Leben als gelebtes und nicht nur dargestelltes sich erneuert. 
 
 
Ariadne von Schirach wurde 1978 in München geboren. Sie studierte Philosophie, Soziologie und Psychologie in München und Berlin. 2007 erschien ihr Buch „Der Tanz um die Lust“, das die Pornographisierung der Gesellschaft thematisierte. Schirach arbeitet als freie Autorin und Kritikerin bei Deutschlandradio Kultur; gerade schreibt sie an ihrem zweiten Buch „Du sollst nicht vegetieren. Lebenskunst im 21sten Jahrhundert“, das 2012 bei Tropen erscheinen wird. 
 
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Termin 07. November 2011, 17:00 Uhr:
Alexander Pschera (München)
Sozial-is‘-Mus. Zur Zukunft der sozialen Medien
 
Unter den Gegebenheiten des Neoliberalismus offenbaren sich die „sozialen Medien“ mehr und mehr als eine systematische Dekonstruktion der „sozialen Marktwirtschaft“. Der Markt entdeckt das Soziale als Ressource, die er medial ausbeutet. Die Figur des Sozialen verändert sich dabei dramatisch. Die Kernfragen, denen nachzugehen ist, lauten: Kann das Soziale dem Medialen überhaupt widerstehen? Und wie lässt sich die Erosion der Autarkie des Sozialen in den sozialen Medien stoppen?
 
Dr. Alexander Pschera (geboren 1964) lebt als Publizist und Autor in der Nähe von München. Er unterrichtet Theorie und Praxis der sozialen Medien und berät Organisationen beim Aufbau digitaler Strategien. Eben erschien von ihm im Verlag Matthes & Seitz Berlin der Essay "800 Millionen. Apologie der sozialen Medien".
 
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Termin 24. Oktober 2011:
Markus Krajewski (Weimar/Berlin)
„Subalterne Medien. Zur Historiographie von Dienstbarkeiten“

 
Der Vortrag verfolgt anhand von ausgewählten historischen und aktuellen Fallbeispielen das Problem, wie man die kulturellen Praktiken von Dienstbarkeit sowohl bei menschlichen als auch bei dinghaften Medien beschreiben kann, um damit historiographisch neue Wege zu erkunden und zugleich die Frage nach Fortdauer und Transformationen einer grundlegenden Kulturtechnik wie dem Dienen zu bilanzieren.

Prof. Dr. Markus Krajewski, geb. 1972, ist Juniorprofessor für Mediengeschichte der Wissenschaften an der Bauhaus-Universität Weimar. Gastprofessuren an der Harvard University und am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. 2011 habilitierte er sich mit der Studie "Der Diener. Mediengeschichte einer Figur zwischen König und Klient".
Weblink hierzu: www.uni-weimar.de/medien/wissenschaftsgeschichte/publikationen/derdiener.html

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DAS MEDIALE DENKEN
Vorträge & Diskussion
montags,  14-tägig, 17 – 20 Uhr
Ort: Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG), Lorenzstraße 15, Raum 112

Gemäß dem Doppelsinn des Titels – „Das Mediale denken“ und „Das mediale Denken“ – stellen Theoretiker und Vertreter der Medienpraxis neue Ansätze aus Medienphilosophie, Kulturwissenschaft und angewandter Kulturökonomie zur Diskussion. Das Kolloquium ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Lehrstuhls für Philosophie und Medientheorie (Prof. Dr. Byung-Chul Han) und des HfG Forschungsinstitutes (Dr. Marc Jongen). Es richtet sich an alle Studierenden der HfG sowie an die Studierenden anderer Hochschulen in Karlsruhe und Umgebung.

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