Chiffren. Rihm im Kontext des musikalischen Schriftbildes in Europa
Badische Landesbibliothek
Eröffnungsvortrag:
Volker Kalisch (Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf)
„Das Europa der Nationen = Das Europa der Musiken?“
Musikalische Beiträge:
Wolfgang Rihm
- Das Rot | Sechs Gedichte | für Sopran und Klavier (1990)
- Fünf Klavierstücke (1969, E. W. Velte zum 46. Geburtstag gewidmet)
- Klavierstück Nr. 6 | Bagatellen (1977/78)
- Drei kleine Stücke | für Flöte, Violoncello und Klavier (1968)
Maurice Ravel
- Chansons Madecasses | für Sopran, Flöte, Violoncello und Klavier
Ensemble Sonatori
Ruxandra van der Plas-Voda Sopran
Jan Riedlbauch Flöte
Thomas Strasil Violoncello
Berthold Fritz Leitung
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musiktheater intégrale
Kurator: Dr. Achim Heidenreich
Koordination: Malte Pawelczyk
Dokumentation: Kai Hanneken
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Musik kann als das erste, Europa vereinende Band angesehen werden. Karl der Große wollte, dass überall in seinem Reich die Messe einheitlich gesungen wird. Aus diesem Wunsch nach Vereinheitlichung ist das große musikalische Potenzial entstanden, das die europäischen Regionen und Länder einerseits unterscheidet und einzigartig macht, andererseits Musik als historisch gewachsenes System in jeder Entwicklungsphase kulturgeschichtlich erforschbar macht. Diese Entwicklung lässt sich von den Klöstern des Mittelalters über die feudalen Herrschaftshöfe, die bürgerlichen Orchester- und Konservatoriumsgründungen in den Städten des 19. Jahrhunderts und die musikalischen Aktivitäten der Rundfunkanstalten seit dem 20. Jahrhundert bis zu dem heutigen Engagement der Kommunen mit ihrer nicht zu überbietenden Kultur der Stadttheater und städtischen Orchester sowie der Förderung der freien Szene verfolgen.
Für den Karlsruher Komponisten Wolfgang Rihm ist Schrift und das Schreiben der Musik gleichbedeutend mit dem Wahrnehmen und Imaginieren der Klänge. Viele Werktitel Wolfgang Rihms beziehen sich unmittelbar auf den Schreibvorgang als ein aus einem homogenen Block geformtes, bildhauerisches, musikalisches Verpuppungsstadium. Ein
derart verstandenes Musik-Schreiben ermöglicht ihm auch, Gehalte anderer Kunstsparten in Musik zu transformieren.
Einen zentralen Werkkomplex im Schaffen des Komponisten Wolfgang Rihm bildet der Werkzyklus „Chiffren“ (1982- 1988) mit insgesamt neun unterschiedlich groß besetzten Werken. Die „Chiffren“ und viele andere Werke Rihms wurden in Karlsruhe uraufgeführt und sind damit auch für die musikgeschichtliche Bedeutung Karlsruhes wichtige Stationen.
In der Ausstellung "Chiffren", die vom musiktheater intégrale der HfG kuratiert wird, sollen Rihms Werke im überspannenden Kontext der Schrift vorgestellt und erläutert werden. Manuskripte Wolfgang Rihms werden neben wichtigen Dokumenten abendländischer Musikkultur präsentiert. Die Badische Landesbibliothek mit ihrem Sammelschwerpunkt Wolfgang Rihm verfügt selbst über wichtige Dokumente zum Thema.
Die Ausstellung „Chiffren" wendet sich an eine breite Öffentlichkeit und führt auch in gesonderten Führungen und Konzertabenden an die Thematik heran. Sie wird mit der an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe angesiedelten transdisziplinären Arbeitseinheit musiktheater intégrale entwickelt und durchgeführt.
