Design Blast 2010: COURAGE
Mit dem Thema „Mut“ (englisch „Courage“) startet am 4. Juni 2010 die Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe die dritte Runde ihrer Konferenzreihe „Design Blast“. Wie schon in den Jahren zuvor präsentieren sich auf der Bühne junge Designer und Kulturschaffende aus den Bereichen Visuelle Kommunikation, Kunst und Produktgestaltung, die nicht nur den Berufsstart erfolgreich gemeistert haben, sondern auch mit ungewöhnlichen Ideen und Auftritten die Designdisziplin „aufmischen“.
Aber was bedeutet Mut für eine Berufsgruppe, deren Einsatzfeld nicht im Krisengebiet, sondern im Grafik- oder Produktdesignbüro liegt? Wie energisch und waghalsig agieren Designer in ihrem doch eigentlich doch recht beschaulichen Alltag? Die Sprecher der Konferenz Design Blast 2010 werden aufzeigen, dass es insbesondere im Design darum geht mit einer couragierten Geisteshaltung an Aufgaben heranzugehen, kühne Ideen standhaft zu verteidigen und schließlich mit Eifer in die Tat umzusetzen.
Einige Sprecher sprengen dabei sogar die Grenzen zwischen Design, Medien, Kunst und Wissenschaft. Hier ist besonders der junge Brite Brendan Walker zu nennen. Der Gestalter, der nicht nur Design sondern auch Luft- und Raumfahrttechnik studierte, geht heute im Hauptberuf seiner Leidenschaft für nervenaufreibende Kirmesattraktionen nach. „Thrill“, also maximale Aufregung und Erregung sind die Themen seines Vortrags. Die ebenfalls in London lebende Gestalterin Julia Lohmann verbindet in ihrer Arbeit biologische Interessen und Gestaltung. So entwickelte sie eine Sitzgelegenheit, die in ihren Dimensionen exakt jener Kuh nachempfunden ist, deren Haut sie als Material verwendete. Der für seine couragierte Streetart bekannte Künstler Julius von Bismarck entwickelte eine Maschine, die die Bilder von Straßenpassanten im Moment der Aufnahme nach seinen Maßgaben verändert. Darüber hinaus gehen Eike König, Grafik-Designer und Gründer der Berliner Agentur HORT sowie Benjamin Reichen von der Designerkooperative Åbäke aus London der Frage nach, wie viel Mut man benötigt, um Briefings von Auftraggebern wirklich frei und eigenständig umzusetzen. Marco Fiedler vom Büro vier5 aus Paris steht für eine risikobereite Arbeitshaltung im Grafikdesign. Die experimentellen Arbeiten des Büros provozieren regelmäßig die Fachwelt.
Die Veranstaltung findet im imposanten Lichthof der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe statt. Der Eintritt ist wie schon in früheren Jahren frei. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich, da die Teilnehmerzahl auf 500 Personen begrenzt ist. Anmeldung unter www.designblast.de.
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Åbäke, London
Das Kollektiv Åbäke aus Ost-London besteht aus vier Designern. Seit der Gründung im Jahr 2000 sind sie einige Partnerschaften eingegangen, aus denen mehr als 12 eigene Labels entstanden. Sie nennen sich Kitsuné (als Musikverlag), Sexymachinery (als Architekturpublikation), Trattoria (als Dinner-Event), Dent-de-Leone (als Buchverlag), etc. Für ihre Arbeitsweise sind die Leute, die sie treffen und mit denen sie arbeiten, genauso von zentraler Bedeutung wie der daraus resultierende Austausch an Informationen und Fertigkeiten.
Aerial, Brendan Walker, London
Der Brite Brendan Walker bezeichnet sich selbst als der Welt einzigen „Thrill Engineer“, also als einen Pionier der technisch erzeugten und gesteuerten Emotionen, wie man sie etwa von Achterbahnen und anderen Fahrgeschäften kennt. Ursprünglich studierte der Vorkämpfer in Sachen Schauer, Angst und Spass militärische Luftfahrttechnik, bevor er am Fachbereich Interaction Design am Londoner Royal College of Art forschte und unterrichtete. Heute leitet er mit AERIAL sein eigenes Design-Unternehmen, das auf das „Entwerfen maßgeschneiderter emotionaler Erfahrungen“ spezialisiert ist. Bei seiner täglichen Arbeit nutzt Brendan Walker eine Mischung aus Performance und Medientechnik, um sein Publikum in Spannung zu versetzen. Zu seinen Kunden zählen Theater, Freizeitparks und Fernsehsender, die so bekannt sind wie das Londoner Science Museum, Disneyland, Merlin Entertainment und die BBC. Brendan Walker ist Stipendiat des Mixed Reality Laboratory an der Universität Nottingham und Darsteller in einer Reality Soap im britischen Fernsehen. www.aerial.fm
Julius von Bismarck, Berlin
Der Künstler Julius von Bismarck verbrachte seine Jugend in Saudi-Arabien und Deutschland. Er studierte in New York und in Berlin an der Universität der Künste (UDK) bei Joachim Sauter und schließlich bei Olafur Eliasson am Institut für Raumexperimente. Mit seiner Arbeit untersucht von Bismarck unsere menschliche Wahrnehmung sowie unsere Darstellung und Rekonstruktion der Realität, indem er Strategien aus der bildenden Kunst, dem Film, der Gesellschafts- und Naturwissenschaften in seinen künstlerischen Umgang mit der Kamera einbindet. Dabei erforscht er mit von ihm selbst entwickelten Objekten, Installationen und Apparaturen nicht nur den öffentlichen Raum sondern auch so aktuelle Themen wie Urheberschaft und geistiges Eigentum. Im Jahr 2008 erhielt er für sein Projekt „Image Fulgurator“ die Goldene Nica auf der Ars Electronica in Linz und gilt heute als einer der innovativsten Künstler auf dem Gebiet der Medienkunst. www.juliusvonbismarck.com
HORT, Eike König, Berlin
Bereits 1994 gründete Eike König sein eigenes Designbüro. Seither ist der HORT das, was der Name sagt: ein großer und bunter Spielplatz. Der Fokus des multidisziplinären Designstudios liegt auf der Gestaltung von Corporate Design- und Branding-Konzepten für Mode- und Lifestylemarken sowie Plattenlabels. Darüber hinaus erstellt das Büro Illustrationen für Magazine oder Zeitschriften und entwickelt Editorial- und Interior-Konzepte. Eike König, der bereits für etablierte Marken wie Mercedes Benz, Universal Music, Wallpaper Magazine oder das New York Times Magazine gearbeitet hat, sagt von seinem Team: „Wir lieben es, eine Marke oder ein Produkt mit zu gestalten, zu entwickeln und in der Welt sichtbar zu machen. Wir lieben es, an Projekten zu arbeiten, die den Menschen helfen, Informationen einfacher zu verstehen. Und wir lieben es, mit und für Menschen in anderen kreativen Bereichen zusammenzuarbeiten, uns auszutauschen und noch viel mehr zu lernen.“ www.hort.org.uk
Julia Lohmann
Die Gestalterin Julia Lohmann, geboren 1977 in Hildesheim, ist eine Designerin mit Abschlüssen in Produkt- und Grafikdesign. Seit 1998 lebt und arbeitet sie in Großbritannien. Die Designerin bezieht ihre Inspirationen häufig aus Bereichen, die außerhalb der Designdisziplin liegen und nutzt für ihre Objekte natürliche Materialien wie etwa Algen. Ihre Arbeiten sind im Grenzbereich zwischen Gestaltung, Wissenschaft und Kunst angesiedelt und erkunden unser menschliches Verhalten in Bezug auf unsere Umwelt. Julia Lohmann studierte am Master-Studiengang „Design Products“ des Royal College of Art in London, wo sie heute auch unterrichtet. Darüber hinaus ist sie Gastdozentin an verschiedenen britischen und europäischen Designhochschulen. Lohmanns Objekte und Installationen wurden weltweit ausgestellt und sind Teil privater und öffentlicher Sammlungen wie etwa dem Museum of Modern Art in New York. www.julialohmann.co.uk
Marco Fiedler
Gemeinsam mit Achim Reichert gründete der deutsche Designer Marco Fiedler das Büro VIER5, das seit 2002 in Paris ansässig ist. VIER5 widmet sich hauptsächlich den Bereichen Kultur und Mode. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Entwicklung und Anwendung neuer und zeitgemäßer Schriften. So gehörten zu ihren bekanntesten Arbeiten u.a. das Leitsystem der documenta 12 in Kassel im Jahr 2007 oder das Erscheinungsbild für das CAC Brétigny (Centre d'art contemporain de Brétigny) in Frankreich. Zweimal im Jahr bringen sie das Modemagazin FAIRY TALE (FT) heraus.

Julia Lohmann

Brendan Walker

Eike König
