Kunstwissenschaft und Medientheorie

"WAS MACHT BILDER STARK?"
12. Juli 2011, 20:30 Uhr: Öffentliche Podiumsdiskussion mit Studierenden des HfG Fachbereichs Kunstwissenschaft
Viele attestieren den Massenmedien, besonders starke Bilder zu senden – und behaupten, die Bilder seien bereits aus sich heraus wirkungsvoll und bestimmten unsere Sicht auf die Welt.
Anhand aktueller Medienbilder plädieren HfG-Studierende des Fachbereichs Kunstwissenschaft für einen alternativen Zugang. Sie stellen die These zur Diskussion, dass Bilder nur dann als stark erscheinen, wenn ihnen eigens Bedeutungen zugesprochen werden. Gezeigt werden Beispiele vom Urknall bis zum ersten schreibenden Fötus.
Es diskutieren: Julia Emmler, Mira Hirtz, Iris Weigel, Henning Arnecke und Daniel Neumann.
Termin: Dienstag, 12. Juli 2011, 20:30 Uhr
Ort: Raum 112 (Großer Seminarraum), Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
«I LOVE SEGANTINI»
Präsentation des Kunstwissenschaftsseminars «Giovanni Segantini – die Malerei der Moderne zwischen Berg und Tal»
Der Maler Giovanni Segantini (1858-1899) hat nie das Matterhorn gemalt. Dennoch gilt der Künstler als Ikonograph der Schweizer Alpen – speziell die Berge des Engadins im Kanton Graubünden zählen zu seinen berühmtesten Motiven.
Studierende der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe haben sich während des vergangenen Sommersemesters aus unterschiedlichen Blickwinkeln kritisch mit dem Werk des Malers auseinandergesetzt. Neben einem Besuch der Ausstellung „Segantini“ in der Fondation Beyeler in Basel und mehreren Sitzungen in der HfG war der Höhepunkt des Se-minars eine fünftägige Exkursion ins Oberengadin – an die Wirkungsstätten des Malers.
Anlässlich der Jahresausstellung „Sommerloch“ werden einzelne Aspekte und Themen, die bei der Beschäftigung mit Segantini eine Rolle gespielt haben, skizziert. Im Zentrum der Prä-sentation steht die Inszenierung eines Fotostudios, in welchem das heutige Klischee und Symbol der Schweizer Alpen – das Matterhorn – als Hintergrundmotiv dient. Die Silhouette des Malers Segantini ergänzt historisierend die Szene und spielt auf die touristische Situation an, in welcher man sich in Savognin vor authentischer Alpenkulisse mit einer Reproduktion des Künstlers im Hintergrund fotografieren kann. Die Präsentation ist zudem inspiriert von einer historischen Aufnahme, die den Philosophen Friedrich Nietzsche mit Paul Rée und Lou Salomé im Fotostudio vor der Kulisse des Jungfrau Massivs zeigt – heute als Reproduktion im Nietzsche Haus in Sils-Maria zu sehen. Werner Hofmann bezieht sich in seinem Essay über die Moderne, „Nietzsches Doppelblicke und Gegenwahrnehmungen“, auf diese Fotografie aus dem Jahre 1882.
Obwohl schon 1908 das Segantini Museum in St. Moritz eröffnet wurde, waren Segantinis Bilder fortan meist nur heimelige Dekoration. Nachdrucke, aber auch so manches Original-gemälde, dürften in Schlafzimmern oder über der Kommode im Flur gehangen haben. Diese Funktion der Schaffung „privater Idylle“ übernahmen Jahrzehnte später Fototapeten, die die Alpen oder andere Sehnsuchtsorte darstellten.
Besonders beeindruckend waren Segantinis Panoramadarstellungen. Dabei achtete Segantini, der die meiste Zeit draußen in der Natur malte, weniger auf die getreue Abbildung der Landschaft, wichtiger war ihm die Wirkung einer gekonnten Komposition.
Für die Besucher des Sommerlochs stehen Postkarten zur kostenlosen Mitnahme bereit, auf denen eine Collage der Oberengadiner Berglandschaft zusammengestellt wurde. Diese Panoramen auf Postkartengröße stehen für die Künstlichkeit einer scheinbar abbildhaften Malweise. Im Oberengadin wird Giovanni Segantini bis heute ungebrochen verehrt. An den vielen Wirkungsstätten des Malers tauchen sein Bildnis und unzählige Reproduktionen auf.
Auf diese „Andachtsbilder“ bezieht sich die Präsentation der Studierenden, die neben der Selbstinszenierung des Betrachters auch die wissenschaftlichen Texte des Seminarapparates und Relikte der inspirierenden Exkursion zur Ansicht bietet.
SeminarteilnehmerInnen:
Henning Arnecke, Marleine Chedraoui, Grischa Erbe, Anna Ferdinand, Susan Funk, Hendrik Härdle, Moritz Jähde, Sina Pousset, Adriana Rys, Tanja Schütz, Silke Weber, Sebastian Werner

